- Gedenkseite von
- Familie Boesner
- Eingetragen
- 4. November 2002
- Tierart oder Rasse
- Dobermann
- Lebenszeitraum
- ✶ 16.07.1984 · † 14.08.1997
Wir haben Donna im Frühjahr 1985 bei einem dubiosen Hundehändler in Dülmen adoptiert. Sie war 8 Monate alt und wir wußten nie, was sie in den ersten Lebensmonaten erlebt hatte und wie sie geprägt wurde. Sie hatte so ihre Eigenheiten, die wir schließlich Lieben lernten.
Donna war ein Nimmersatt. Nichts war vor ihr sicher, ob ein Pfund Butter, ein Labello-Lippenstift oder ein Stück Seife, Donna verschlang alles, was vor ihre Nase kam. Am liebsten aber mochte sie Bananen. Oh, Donna liebte Bananen. Wenn wir unten in der Küche eine Banane öffneten, hörte das Donna im zweiten Stock, sie stürzte die Treppe herunter und kaum hielten wir die Frucht in der Hand, saß Donna schon da, um ja nicht ein "herunterfallendes" Stück zu verpassen. Am liebsten mochte sie die Dunklen, Schwarzen. Wir haben uns so einige Male gefragt, was wir uns da ins Haus geholt hatten - einen Affen oder einen Dobermann.
Einmal hatte ich die Tür zum Vorratskeller offen gelassen. Als ich zurück wollte, blieb mir fast das Herz stehen. Auf der Kellertreppe kam mir ein unheimliches Geschöpf entgegen. Ganz weiß, mit verklebten Augen und lauter Klumpen um die Schnauze. Ich verfolgte die Spur, die das Wesen hinterlassen hatte zurück. Sie führte mich in den Vorratskeller. Alles war ganz weiß. Am Boden lag eine zerfetzte Tüte. Eine Mehltüte. Donna wollte an diesem Abend nichts mehr fressen - ihr war offensichtlich nach einem Kilo Mehl der Appetit vergangen...
In unserem Heiligenblut-Urlaub waren wir auf dem Weg zu Oberwalderhütte, welche unterhalb des Großglockners auf einer Höhe von fast 3.000 m liegt. In weiter Ferne konnten wir schon die Hütte sehen, vielleicht noch ein Stunde Fußmarsch. Als wir über den Gletscher liefen, genoßen wir die herrliche Luft und den überwältigenden Anblick der majestätischen Berge. Plötzlich merkten wir, daß Donna gar nicht mehr bei uns war. Doch im selben Moment war sie schon wieder aufgetaucht und tollte vergnügt vor uns im Schnee. Kurz darauf war sie wieder verschwunden. Dieses "Spiel" ging so lang, bis wir endlich zur Schutzhütte kamen. Hier wurden wir schon freudestrahlend von Donna, anderen Wanderen und Bergsteigern begrüßt: "Ja, wo bleibscht denn, Euer Hund war schon mindestens 10 mal hier droben..." Nach unserem Abstieg ins Tal, haben wir Donna auch nicht mehr gesehen, Sie hat geschlafen wie ein Stein, bis zum nächsten Morgen, bereit für ein neues Abenteuer.
Die Heldin der jungen Kornblumen
In unserem Garten hatten wir immer wieder ein paar freche Kaninchen. Donna erledigte das Problem immer, indem sie die Hoppelmänner davonjagte. An einem Sonntagnachmittag waren sie besonders frech. Sie saßen im Blumenbeet und machten sich über die jungen Kornblumen her. Donna stand schon in den Startlöchern, ihr ganzer Körper bebte, als wir die Tür öffneten. Sie stürzte in einer atemberaubenden Geschwindigkeit hinter den Blumenvernichtern her. Als sich die Kaninchen teilten, eins nach rechts, das andere nach links, wechselte auch Donna die Richtung und knallte mit voller Wucht gegen den Kastanienbaum. ... Die Krone des Baumes schwankte noch, als Donna sich unter einen Strauch legte. Es kostete einige Überredungskunst, sie zum Reinkommen zu bewegen. Doch eine Heldin läßt sich nicht unterkriegen. Am nächsten Tag stand Donna wieder vor der Glastür zum Garten und wollte raus, um die Kornblumen zu retten.
Donna war 13 Jahre alt. Ihr Herz war sehr stark, es machte ihr nicht den Gefallen, sie von ihrem Leiden zu erlösen. Donne litt an Spondylose, dabei verknöchert die Wirbelsäule. An normalen Tagen ging es ihr richtig gut. Sie sprang zwar nicht mehr wie ein junger Hund herum, aber sie streifte durch ihren Garten und freute sich über das kleinste Stückchen Banane.
An Tagen, an denen das Wetter umschlug oder es besonders heiß oder kalt war, ging es ihr nicht so gut. Dann schaute sie uns immer so traurig an. Aber alles Leid war vergessen, wenn es etwas zu fressen gab. Wir wußten, daß es Donna nicht gut ging und wir warteten auf ihr Zeichen, doch sie gab es uns nicht. Sie fraß und sprang sofort auf, wenn es eine Banane gab.
Doch dann, es war ein schöner Sommertag. Donna lag morgens, wie immer, an ihrem Lieblingsplatz. Gegen Mittag lag sie noch immer dort. Sie schaute herzzerreißend, wir wollten sie mit einer Banane aufmuntern, doch sie rührte sie nicht an. Donna, die für ein kleines Stück Banane ein Königreich gegeben hätte. Das war das Zeichen.
Der Tierarzt kam zu uns. Mein Bruder nahm Donna in die Arme als sie die Spritzen bekam. Es schien, als flog Donna´s Seele mit einem kräftigen Luftstoß aus dem Körper. Sie hatte ein ganz weiches Fell. Es war so weich, wie das Fell eines Welpen. Nachdem wir uns alle von Donna verabschiedet hatten, haben wir sie im Garten begraben. Wir gaben ihr ihr Halsband, ihre Leine, ein Rinderohr und natürlich all unsere Bananen mit auf ihre Reise. Mein Bruder legte noch einen Abschiedsbrief zu ihr und ich, ich gab ihr diesmal freiwillig meinen Labello, den sie mir immer so gerne klaute und fraß.
Donna, du wirst ewig in unserer Erinnerung bleiben!
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